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ClickerTraining für Pferde



 
Zur Anwendung von Strafe und was man dabei bedenken sollte
Leider gibt es immer wieder Situationen im Umgang mit Pferde, in denen man sich versucht fühlt, Pferde für "schlechtes Benehmen " zu bestrafen. Ein kleines Tabu - Thema, denn wer ist nicht auch schon in die Situation gekommen seinem Pferd eins auf die Nase gegeben zu haben oder ihm eins mit der Gerte übergezogen zu haben. Der folgende Text soll dazu dienen, sich über die "Erfolge" und Mißerfolge von Strafen bewußt zu werden.
Wie John Lyons sagt : 
  " Wenn dein Pferd nach dir beißt, hast du genau 1 Sekunde, um es zu schlagen. 
   Schon 1 1/2 Sekunden später macht diese Handlung keinen Sinn mehr für das Pferd. "
Die Anwendung von Strafe aus Sicht der Verhaltenspsychologie 
von Kate Fulker 
Als eine Wissenschaftlerin möchte ich verdeutlichen Strafe ISTein sehr effektives 
Trainingswerkzeug.
Aber ganz bestimmte Konditionen bei der Anwendung von Bestrafung müssen stimmen ! 

Strafe korrekt  anzuwenden ist solch eine große Herausforderung, daß sie sehr vorsichtig und strategisch geplant sein muß, um den größtmöglichen Erfolg damit zu erzielen und die geringsten unerwünschten Nebeneffekte zu erhalten.  

1.)  Strafe darf nicht als Vergeltung, Rache oder Befreiung von Ärger und Wut 
angewendet werden. Man kann sie sonst nicht als effektiv bezeichnen.  
Also ist die erste Frage, die wir uns stellen müssen, wenn wir Strafe als Möglichkeit 
ins Auge fassen, ob wir gewillt sind diese strategisch geplant und kühlen Kopfes  
anwenden  zu können.  

2.) Strafe muß in erheblichen Maße INTENSIV, heftig ausfallen.  
Zu schwache Intensität von Strafe führt nur zu mäßiger Unterdrückung eines Verhaltens und  das Verhalten neigt dazu wieder aufzutauchen, trotz wiederholter und fortgesetzter Strafe. 

Tiere passen sich an Strafe an ! 
Folgendes Beispiel belegt dieses :  
Ratten, die trainiert wurden zur Futteraufnahme in eine Zielkiste zu laufen, fahren fort in diese Kiste zu laufen während sie starken Elektroschocks ausgesetzt werden, wenn sie zuvor einer Serie von Elektoschocks mit allmählich zunehmender Stärke ausgesetzt werden.  
In  anderen Worten, wenn Sie ursprünglich  zu schwache Strafen anwenden und diese allmählich steigern, werden Sie kaum bis keine Unterdrückung eines unerwünschten Verhaltens erleben oder dies Unterdrückung wird nicht lange anhalten.  
Sie werden sogar ihr Tier trainieren sich dieser Strafe anzupassen !!
Also ist die zweite Frage, die Sie sich stellen sollten, bevor sie Strafe anwenden, ob Sie gewillt sind  wirklich harte, schwere Starfe anzuwenden beim ersten Anzeichen eines Verhaltens, daß Sie sehen. 

3.)  Strafe muß unmittelbar erfolgen, um Wirksamkeit zu zeigen.  
JEDE Verzögerung zwischen einen unerwünschtem Verhalten und der folgenden Strafe resultiert in uneffektive Wirksamkeit. 
Hier ist eines der grauenvollen Experimente, die demonstrieren, WIE SCHNELL Sie handeln müssen. 
Drei Gruppen von Versuchshunden wird eine leckere Schüssel mit Futter angeboten. 
Die ersten Gruppe von Hunden wird sofort bestraft ( Elektroschläge ),
sobald sie versuchen ihr Futter zufressen. 
Die zweite Gruppe  wird beim Versuch der Futteraufnahme nach 5 Sekunden bestraft. 
Die dritte Gruppenach 15 Sekunden. 

Natürlich vermeiden alle Hunde nach kurzer Zeit die Futteraufnahme.
Nach ein paar Tagen wurden sie erneut getestet. 
Die Hunde von Gruppe 1 warteten mehrere Wochen ! bis sie das Futter wieder fraßen.  
Die 2. Gruppe Hunde warteten ein bißchen länger als 1 Woche, bevor sie das angebotene Futter wieder annahmen und die 3. Gruppe warteten gerade einmal DREI MINUTEN !!!
Also ist die dritte Frage, die Sie sich stellen sollten, bevor Sie zur Strafe greifen, 
ob Sie fähig und gewillt dazu sind SOFORT zu strafen, aber auch nicht zu strafen, 
sobald sie auch nur 1 Minute gezögert haben. 

4.)  Damit Strafe effektiv ist, muß sie  mit  kontinuierlicher Planmäßigkeit ausgeführt  
werden. Also Sie müssen sowohl gewillt, als auch in der Lage sein,  jede und jedes unerwünschte Verhalten, daß sie zum Verschwinden bringen wollen, zu strafen.  

Können Sie das wirklich garantieren ?
5.)  Desweiteren dürfen Sie nichtanwesend sein, während einer Strafe, außer Sie wollen ein  
konditioniertes Signal für Strafe sein. 
Tiere lernen sehr schnell, daß Strafe nur geschieht, wenn der Besitzer anwesend ist. 
Im besten Falle lernt das Tier einfach bloß das Verhalten nur in Abwesenheit des Besitzers zu zeigen. 
Im schlimmsten Fall lernt das Tier Angst vor dem Besitzer zu haben, da der Besitzer 
zum unangenehmen Stimulus für das Tier geworden ist. 
Also ist die abschließende Frage, wie kreativ Sie im Aufbau von Situationen werden wollen, um Strafen auszuführen. 
Nun gut, nehmen wir an Sie sind bereit, gewillt und auch in der Lage alle die Erfordernisse 
einzugehen. Was erhalten Sie aber für ihre Arbeit ! 
Strafe vermindertnur das Auftreten eines Verhaltens. Es bestimmt nicht, welches andere Verhalten, ein unerwünschtes Verhalten ersetzt. Der Ersatz könnte ebenso schlimmer  
sein / werden. 
Bestrafungen tendiert dazu aggressives Verhalten im allgemeinen zu vermehren -  beim Tier, wie auch beim Benutzer. 
Strafe kann auch zur Zunahme von  Selbst - zerstörerischem Verhalten führen, besonders in Situationen, in denen positive Verstärkungssmodell fehlen oder sehr niedrig sind oder das Tier keine Möglichkeit des Entkommens / Vermeidens erkennt. 
Solche Konditionen führen auch zu der wissenschaftlich erwiesenen 
ERLERNTEN HILFLOSIGKEIT  oder zu Angst / Panikreaktionen bei dem Tier. 
Aber dann gibt es auch noch die  paradoxen Situationen, in den selbst bei 
effektiv und richtig angewendeter Strafe sich das Verhalten nicht vermindert. 

Ich persönlich zweifele daran, daß das was ich hier erklärt habe jemand davon überzeugen wird keine Strafen zu benützen. Selbst schlecht ausgeführte Bestrafung  ist oft effektiv im Unterdrücken von Verhalten für eine kurze Zeit. 
Die Probleme mit schlecht angewendeter Bestrafung zeigen sich selten sofort, sie sind  langlebig und heimtückisch. Sie sind leicht wegerklärt und fehlgedeutet. 
Deshalb ist Bestrafung auch so selbst bestärkend für den Benutzer  und es ist sehr schwer jemanden der Bestrafung benutzt von dieser selbstbestätigenden Strategie abzubringen. Andere Strategien, als zu bestrafen zu entwickeln, um mit unerwünschtem Verhalten umzugehen ( besonders Angstverhalten ), erfordern eine Menge Arbeit und Weitsicht.  
Ich sage all dies mit dem offenen Eingeständnis, daß ich eine der größten Sünderinnen war, was Bestrafung betrifft. Ich halte mich selbst für besonders sträflich schuldig, da ich als Wissenschaftlerin ja genau die Probleme, die Strafen mit sich bringen, kannte und sie trotzdem benutzte. 
Es bedurfte  eines besonders schwer aggressiven Pitbull, um mir die großen Fehler in der Anwendung von Betrafung vor Augen zu führen. 
Ich war eine Langsam  Lernende und ich habe Narben, die dies beweisen.  
Es war mir erst  möglich ihn und auch mich zu rehabilitieren, nachdem ich die Absicht Strafe zu nutzen, aufgab. Ich bin geradezu glücklich darüber, daß er so verzeihend und gewillt war mir dies beizubringen. 
Höre ich mich predigend an ? Vielleicht.  Aber heute habe ich einen wunderbaren Begleithund, da ich die Bestrafungsstrategien aufgab und kreativere Wege fand mit problematischem Verhalten umzugehen. 
Nichts anderes funktionierte und glaubt mir, ich habe alles andere versucht !!!  
Kate Fulker                                                                                         übersetzt von Christiane Müller