Die Konditionierung von Pferden auf den Clicker

von Christiane Müller

Bevor mit dem Clickertraining begonnen werden kann, muß das Pferd erst einmal auf den Clicker konditioniert werden.
Konditionieren heißt einfach gesagt, das Pferd muß mit den Ton „Click “ etwas angenehmes, meist Futter verbinden.
Dieser Prozess ist als "Klassische Konditionierung" bekannt.
Die Ratte drückt den Hebel, ein Ton wird erzeugt und Futter erscheint. Nach etlichen Wiederholungen, hat die Ratte gelernt, wenn sie den Ton höre, kommt Futter.

Genauso machen wir es mit den Pferden.

Als vorbereitende Übung wäre es gut, den Clicker richtig herum halten zu lernen und auch zu üben, das Futter so schnell wie möglich nach dem Click zu geben.
Es bieten sich Bauchbeutel, große Jackentaschen an. Weniger gut sind enge Taschen in denen man erst lange wühlen muß, bis die Belohnung kommt. Das Pferd wird dadurch zu sehr auf den Körper und bestimmte Bewegungen gelenkt. Man muß aufpassen, dass das Pferd nicht am Ende eher auf den Griff zur Tasche konditioniert ist, als auf den Clicker !
Sinnvoll ist es auch vorher zu testen, wie das Pferd auf das Geräusch des Clicker reagiert. Das heißt einfach mal mit etwas Abstand zum Pferd den Clicker betätigen und sehen, ob das Pferd Angst davor hat. Manche Pferde verwechseln das Geräusch mit dem Ton des Weidezaungerätes. Wenn das der Fall ist, sollte man das Pferd erst einmal an das Geräusch gewöhnen, also immer mal clicken, wenn es frißt mit etwas Abstand zum Tier oder den Clicker in der Jackentasche betätigen. Hierbei kann man auch noch beobachten, dass der Clicker jetzt noch ein bedeutungsloser Umweltreiz ist und eben noch nicht konditioniert.

Ich empfehle unbedingt bei der Konditionierung eine einfache Aufgabe zu stellen und nicht einfach nur das Futter mit dem Click zu geben.
Eine einfache Aufgabe für das Pferd ist es eine Frisbee Scheibe, einen Eimerdeckel, den Griff einer Gerte oder was auch immer zur Hand ist mit dem Maul zu berühren. Sofort noch während dem Berühren kommt der Click und auch sofort die Belohnung.
Es ist wirklich wichtig für den Konditionierungsprozess, das sowohl der Click sofort zum richtigen Verhalten kommt, also nicht zu früh oder zu spät , als auch das Futter nicht erst nach 30 Sek. zu spät gegeben wird.
Das Pferd und DU sollen dabei bewußt eine LERNAUFGABE lösen !

Dieser Prozess wird mehrmals wiederholt und auch immer mal wieder in den kommenden Tagen. Manche Pferde sind nach 1 Übungseinheit schon konditioniert, andere brauchen mehere Sessions dazu.
Beim Berühren der Scheibe, sollte dem Pferd nicht geholfen werden, es soll einen Lernprozess machen, der lautet :
– erst das richtige Verhalten – dann den Click – dann die Belohnung.

Damit das Pferd aber dabei erfolgreich sein kann, hält man die Scheibe nicht 1 Meter vom Maul entfernt, sondern nur 5 cm entfernt und macht ihm so das lernen leicht.

Bei der Konditionierung sollte das Pferd anfangs hinter einer Absperrung (Stalltür, Zaun oder Stallguard) stehen, um bei Bettelverhalten einige Schritte zurückgehen zu können und Respektkonflikte zu vermeiden.
Am besten man sucht sich zur Konditionierung eine ruhige Stelle etwas abseits von den anderen Pferden, damit das Pferd sich auf diesen Prozess konzentrieren kann. Niemals mehrere Pferde gleichzeitig konditionieren. (Achtung Futterstreitigkeiten)

Ob das Pferd konditioniert ist  CLICK = BELOHNUNG
Merkt man daran, wenn man den Clicker betätigt während das Pferd abgelenkt ist, hebt es sofort den Kopf oder schaut sofort in unsere Richtung, können wir davon ausgehen, dass es erfolgreich konditioniert ist.

Jetzt geht es erst einmal mit einfachen Übungen weiter, die das Pferd am besten schon kann oder von sich aus anbietet, um sich weiter in den Fertigkeiten des Clickertraining zu üben.

Deine Aufgabe ist es den Click richtig zu TIMEN und die Belohnung anfangs sehr schnell zu geben.

Bitte nehmt euch immer für die richtige Konditionierung genügend Zeit.
Sie ist der Einstieg ins erfolgreiche Clickertraining und sollte nicht übersprungen werden.

Es kann auch auf andere Töne oder Siganle konditioniert werden,
der Prozess ist immer derselbe.

Gibt es noch Fragen ??

Bei allem was man mit einem Pferd macht hat die Sicherheit oberste Priorität !
Deshalb hier noch ein paar Sicherheitstipps :
 

         Passen Sie auf Ihre Finger auf bei der Gabe von Futter aus der Hand.
         Jedes Pferd geht mehr oder weniger stark durch eine Phase der Gierigkeit,
         bis es vollkommen verstanden hat, daß nur dem Click eine Belohnung folgt.
         Sollte ihr Pferd zu aufdringlich werden, gehen Sie hinter eine Abgrenzung
         (Stalltür, Zaun ) und üben solange, bis das Pferd verstanden hat, daß
         nur höfliches Benehmen einen Click bringt.

      Zur Grunderziehung eines Pferdes gehört es sowieso, zu lernen Belohnungen
      langsam und höflich aus der  Hand zu nehmen, ohne einem die halbe Hand
      abzufressen. Was ist nämlich,  wenn mal ein Kind oder Fremder dem Pferd
      einen Apfel gibt, ohne das man dabei ist ? Beißt das Pferd nach der Hand,
      kann die Belohnung auch anfangs in einer Schüssel gereicht werden.
      Verhält sich das Pferd weiter ungebührlich, gibt es die Möglichkeit,
      das Futter blitzschnell verschwinden zu lassen und einen  Moment später
      es erneut zu versuchen, bis das Pferd versteht, was von ihm erwartet wird.

     Machen sie die Clicker Arbeit nicht mit einem total hungrigen Pferd kurz
     vor  der eigentlichen Fütterung. Es sollte Grund gesättigt sein, aber ein
     paar Möhren / Äpfel sind dann immer noch willkommen.

     Arbeiten Sie anfangs nicht mit mehreren Pferden gleichzeitig an einem Ort.
     Das würde nur unnötige Futter - und Rangkämpfe auslösen und führt nur
     zu Ablenkung und Frustration. Viel später erst, wenn alle Pferde wirklich
     Clicker - Clever sind ist es auch möglich mit mehreren  Pferden
     zu arbeiten und jedes wartet geduldig bis es an der Reihe ist.

      Es gibt Pferde, die ein grundsätzliches Respektproblem Menschen gegen über
      haben, diese Pferde sind nicht ungeeignet für das C.T, aber der Ansatz sollte
      wohl überlegt sein oder von einem Fachmann/ Frau angegangen werden, um
      sich oder Pferd nicht in Gefahr zu bringen. Dasselbe gilt für die seltenen, aber
      doch vorkommenden sogenannten „aggressiven Pferde“. Die Reaktionen
      solcher Pferde (Treten, Beißen, hinterher jagen ) können blitzschnell und
      überraschend sein. Trauen Sie sich also auch mit dem Clicker nicht mehr zu
      als Sie können.

      Wählen Sie nur Belohnungen, die für das Pferd ungefährlich sind, kleine
      Möhrenstücke, klein geschnittene Äpfel, kleine Stücke trockenes Brot.
      ( Schlundverstopfung !)

      Wie bei jedem anderen Trainingskonzepten sind Sie für den  sensiblen
      Einsatz und den gefahrlosen Umgang mit Ihrem Pferd verantwortlich.
 
                                    Achten Sie immer auf Ihre Sicherheit.
              Pferde sind Fluchttiere  mit enormer Reaktionsgeschwindigkeit !

Clicker Training ist kein Ersatz für grundsätzliches Training, sondern ein Lernwerkzeug,  um die Aufgaben eines Trainings zu übermitteln. Es ist auch kein Ersatz für gesundem Menschenverstand und die klare, ehrliche Beurteilung der eigenen Pferdeerfahrung.

Copyright  April 2001 von Christiane Müller