CLICKERREITER

 


So fangen Sie an

 ( Konditionierungsprozess )

Aus dem Buch:  „ Clickertraining für ihr Pferd“ von Alexandra Kurland. 

Wie konditioniert man ein Pferd auf ein Signal? Ich fange mit einem ganz einfachen Trick an, mit dem ich das Pferd auf den sekundären Verstärker konditioniere und ihm die Beziehung zwischen Verhalten und Belohnung deutlich mache. Über die praktische Anwendung mache ich mir erst Gedanken, wenn es begriffen hat, wie der Hase läuft.

Ich beginne gern mit etwas, das besonders leicht zu verstehen ist.

Ich bringe dem Pferd bei, einen Gegenstand mit der Nase zu berühren, weil ich festgestellt habe, dass das besonders gut funktioniert, weil es im normalen Ausbildungsprogramm des Pferdes nicht vorkommt. Es unterscheidet sich so sehr von allem, was sonst von ihm verlangt wird, dass es sich anstrengen muss, um herauszufinden, was ich von ihm will.

Bei den ersten Versuchen lasse ich das Pferd gern in seiner Box. Die offene Türe versperre ich (...) So kann es seinen Kopf herausstrecken, aber wenn es zu aufdringlich wird, habe ich die Chance, mich mit ein paar Schritten rückwärts in Sicherheit zu bringen. Ich halte einen kleinen Plastikkegel zwischen meinen Körper und das Pferd.

 

      Geraten Sie nicht in Panik, wenn Sie keinen solchen Kegel auftreiben können. Sie können alles benutzen, was gerade zur Hand ist. Ich habe schon Gerten, Reitkappen, die Deckel von Mineralfuttereimern und alles mögliche andere verwendet - Hauptsache, der gewählte Gegenstand ist ungefährlich, leicht fest zu halten und für das Pferd gut zu sehen.

Ich möchte, dass mein Pferd Erfolg hat. Ich stoße ihm den Kegel zwar nicht an die Nase, aber ich halte ihn so, dass es dagegen stoßen muss. Die meisten Pferd sind so neugierig, dass sie den Gegenstand ohnehin freiwillig berühren. Sobald das Pferd den Kegel berührt, clicke ich und gebe ihm ein bisschen Hafer. Etwa einen Teelöffel voll - das reicht. Davon sind die meisten Pferde sehr überrascht und finden es ungeheuer aufregend. Sie vergessen den Kegel und alles andere und richten ihre Aufmerksamkeit nur noch auf mich und meine Taschen. Warum kriege ich Hafer? Gibt es noch mehr? In diesem Stadium können Pferde ziemlich aufdringlich werden.

Eine der Regeln des Formens besagt, dass ein Verhalten, das nicht verstärkt wird, von selbst verschwindet. Und da Sie Ihr Pferd nur füttern, wenn es den Kegel berührt, hört es schnell auf, in Ihren Taschen zu wühlen. Bei manchen Pferden dauert das fünf Minuten, andere brauchen mehrere Stunden oder sogar Tage. Seien Sie geduldig und kreativ. Was das bedeutet? Sie müssen Gelegenheiten schaffen, Ihr Pferd zu belohnen. Sie wollen, dass es Erfolg hat. Wenn es zum Beispiel einen Moment lang abgelenkt ist und wegschaut, nutzen Sie dies aus. Wenn sein Kopf zurückschwingt, um sich noch einmal Ihren Taschen zu nähern, halten Sie den Kegel so, dass es auf dem Rückweg mit ihm zusammenstoßen muss.

Anfangs wird es nicht verstehen, dass es dieser Zusammenstoß ist, der ihm den Hafer einbringt. Das macht nichts. Wenn es öfter passiert, werden Sie merken, dass es den Kegel absichtlich berührt. Sie können beinahe sehen, wie ihm ein Licht aufgeht. Jetzt haben Sie ein Pferd, das den Kegel eindeutig  mit voller Absicht anstupst. Click. Sie geben ihm Hafer, und schneller als Sie reagieren können, berührt es schon wieder den Kegel.

Jetzt können Sie anfangen, den Kegel zu bewegen. Dabei dürfen Sie jedoch nie die vier Regeln vergessen, die Karen Pryor für dieses Stadium aufgestellt hat.

1. Wenn Sie ein Verhalten verbessern wollen, arbeiten Sie immer nur an einem Element dieser Verfeinerung.

2. Wenn Sie mit einem neuen Element beginnen, müssen die vorherigen nicht mehr mit absoluter Präzision ausgeführt werden.

3. Verändern Sie das Verhalten in so kleinen Schritten, dass das   Pferd weiterhin Erfolg hat.

4. Wenn sich das Verhalten verschlechtert, gehen Sie zum vorherigen Stadium der Ausbildung zurück.

Alle Verhaltensweisen bestehen aus vielen Elementen. Selbst bei etwas so einfachem wie dem Berühren eines Kegels gibt es viele verschiedene Kriterien, die Sie verstärken können. Sie können zum Beispiel darauf bestehen, dass das Pferd einen bestimmten Punkt des Kegels berührt, ihn schnell berührt oder ihm folgt, während Sie ihn bewegen.

Wenn Sie möchten, dass Ihr Pferd den am Boden stehenden Kegel berührt, dürfen Sie sich nur auf dieses Element konzentrieren (Regeln 1 und 2). Wenn Sie gleichzeitig darauf achten, wie schnell es reagiert oder wo es den Kegel berührt, arbeiten Sie an zu vielen Elementen des Trainings auf einmal. Das könnte Ihr Pferd verwirren und entmutigen.

Wenn Sie den Kegel bisher in Brusthöhe gehalten haben und ihn nun plötzlich auf den Boden stellen, wird Ihr Pferd ihm wahrscheinlich nicht folgen können und frustriert sein. Senken Sie den Kegel deshalb immer nur um 10-20 cm. Schon nach wenigen Minuten wird Ihr Pferd den Kopf senken, um den am Boden stehenden Kegel zu berühren (Regel 3). Es gibt ein wundervolles Sprichwort, das hier perfekt passt: Eile mit Weile.

Inzwischen können Sie auch von einem festen zu einem variablen Verstärkungsschema übergehen. Ein festes Schema bedeutet, dass eine Standardreaktion des Pferdes belohnt wird. Berühre den Kegel und du bekommst Hafer. Das Pferd weiß genau, wie sehr es sich anstrengen muss, um seine Belohnung zu bekommen. Ein festes Verstärkungsschema bringt aber nur eingeschränkte Resultate. ein variables Schema dagegen spornt zu Höchstleistungen an.

Hört Ihr Pferd auf, den Kegel anzustoßen, halten Sie ihn wieder auf eine Höhe, wo es ihm leicht fällt. Festigen Sie erneut das Verhalten und erhöhen Sie dann den Schwierigkeitsgrad.

Bei einem variablen Verstärkungsschema ist die Belohnung nicht mehr vorhersehbar. Da das Pferd nie weiß, wann es seine Belohnung bekommt, wir es mehr von dem gewünschten Verhalten anbieten. Das letzte Berühren des Kegels hat ihm einen Click eingebracht, doch jetzt kommt keiner; also stupst es den Kegel stärker an. Durch das Zurückhalten des Clicks können Sie das Verhalten verändern. Manche der Berührungen sind kräftig, andere eher halbherzig. Sobald sich das Verhalten verändert, können Sie anfangen, jedes Element zu verstärken, das Ihnen zusagt. Wählen Sie die Bewegung und bringen Sie Ihr Pferd dazu, dem Kegel bis auf den Boden zu folgen." (S.28-32)

Dank an Marion Meyersolbersleben für das Abgeschreiben

Bilder :  Christiane Müller mit Lucina und Gaviora